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Roland May
Kolumne 06/2012
Liebe Theater- und Konzertfreunde, „weniger Angebot, weniger Zuschauer, weniger Einnahmen, noch weniger Angebot – und so fort“. Das sind die Befürchtungen in einem Kommentar der Süddeutschen Zeitung zur aktuellen Tarifsituation an den deutschen Stadttheatern. Ausgangspunkt der Überlegungen zur Zukunft der Kulturtempel ist der aktuelle Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst von 6,3 % für die Jahre 2012 und 2013 und die damit einhergehenden Probleme, diese Aufwüchse für die Theaterbeschäftigten zur Verfügung zu stellen. Dass es nach Jahren der Enthaltsamkeit auf Arbeitnehmerseite jetzt zu einem Schluck aus der Pulle kommen würde, war vielen Verantwortlichen längst klar, aber trotzdem hat die Höhe des Abschlusses doch überrascht. Und dabei ist es vollkommen nachvollziehbar, dass es hier endlich auch für die öffentlichen Angestellten zu Verbesserungen kommt. Gefragt wird in dem Artikel vom 19.04.2012 jedoch wie nach jedem ähnlichen Abschluss, wie es denn sein kann, dass die Mitarbeiterin im Ordnungsamt selbstverständlich jede Tariferhöhung automatisch ausgezahlt bekommt, und viele Theaterbeschäftigte sich mit weitaus weniger zufrieden geben müssen. Der mit einem Strukturkonzept untersetzte Haustarifvertrag am Theater Plauen-Zwickau schreibt schon jetzt einen hohen Freizeitausgleich für die Mitarbeiter ein, da schon seit Jahren kein Flächentarifvertrag mit Vergütungserhöhungen mehr zur Anwendung kommt. Und damit steht unsere Gesellschaft im Osten Deutschlands nicht allein da. Gefragt sind also wieder einmal grundsätzliche Überlegungen zum Stellenwert von Kunst und Kultur in unserem Land. Die Debatte hat an Vielschichtigkeit gewonnen, schaut man sich die momentan heftig geführte Auseinandersetzung über den Begriff einer Kunstleistung und seiner Verfügbarkeit im Internet an. Die Umsonst-Mentalität korrespondiert hier augenfällig mit Ideen, Kunstleistungen generell als Ware zu betrachten. Für das Theater Plauen-Zwickau bedeuten die Herausforderungen der kommenden Jahre ein Bekenntnis zu einer klaren künstlerischen und wirkungsorientierten Arbeit. Dass es hier gerade in den letzten Monaten auch zu ermutigenden Bilanzen gekommen ist, freut uns besonders. So konnte sich die Zuschauerzahl seit Dezember 2011 (ausgenommen der Monat Februar mit seiner Schließzeit) mit jedem Monat im Vergleich zur vorherigen Spielzeit steigern. 6100 Besucher mehr haben sich in diesen drei Monaten bis Ende März 2012 gegenüber Ende März 2011 eine Theaterkarte gekauft. Dieses Ergebnis zeigt, dass wir Ihre Neugier nachhaltiger wecken konnten als in der Vergangenheit. Ihr Roland May, Generalintendant |
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Kolumne 05/2012
Liebe Theater- und Konzertfreunde, begründet mit der extrem gewachsenen Staatsverschuldung machten kürzlich vier selbst ernannte Kulturexperten überregional mit ihrer Schrift Der Kulturinfarkt den Vorschlag, die Hälfte aller Kultureinrichtungen in Deutschland zu schließen. Mal einfach so! - Der Steuerzahler ist seit Beginn der Finanzkrise im Jahre 2008 permanent damit beschäftigt, Banken zu retten und Boni von Managern zu sichern. Damit wurde der Minusbetrag der Bundesrepublik schlagartig auf über 2 Billionen Euro getrieben. Und so geht es natürlich nicht weiter. Schluss soll sein mit staatlicher Förderung, Marktorientierung ist angesagt. Nur was sich rechnet ist überlebensfähig. Ich habe an dieser Stelle nicht nur einmal mit verschiedener Argumentation auf die Lebensnotwenigkeit von Kunst und Kultur in unserem Land und besonders abseits der Zentren hingewiesen, aber die Einlassungen dieser neoliberalen Schickeria machen einen dann doch sprachlos. Schon nach dem Vorabdruck ihrer praxisfernen Hirngespinste im Spiegel ergossen sich Hohn und Spott in vielen Zeitungsartikeln über die vier Autoren, besonders über solche Vorschläge, die frei werdenden Mittel in neue Computerspiele und private Kunstaktivitäten umzulenken. Es gibt Bücher, die kaufe ich einfach nicht, obwohl ich sie lesen sollte. Ich borge sie mir dann später und nehme den Informationsverlust in Kauf. So ist es auch dieses Mal. Ich werde die 19.90 € nicht dieser kalkulierten Aufregung hinterherschmeißen. Aber wenn ich Zeit finde, werde ich ein eigenes Buch auf den Markt werfen. Titel: „Der Kulturtod“. Denn warum soll denn nur die Hälfte gespart werden. Es rechnet sich doch viel mehr, wenn jegliche staatliche Kulturförderung abgeschafft wird. Wer dann Theater und Konzerte erleben will, wird sich in unserer mobilen Zeit in die Metropolen begeben müssen, die dann für teures Geld Hochglanzkultur anbieten werden. Wer kein Auto hat, kauft jetzt ganz schnell einen neuen Opel, um auch etwas für die deutsche Wirtschaft zu tun. Von der Ökosteuer, die durch den zusätzlichen Verkehr anfällt, könnten dann Solaranlagen auf die Spaßbäder und Spielhallen montiert werden, die aus den ehemaligen Theatern entstehen. Und die Jugend? Die hat dann endlich mehr Zeit, bei Saturn und Media-Markt nach den neuen Computerspielen zu stöbern, die ihre Eltern nun statt Theater und Museen mit Steuergeld erschwinglicher machen. Oder sie nehmen die vier Euro für den ehemaligen Theaterbesuch und laden sich vier Poptitel bei einem digitalen Anbieter herunter und üben für Dieter Bohlen, um selber Star zu werden. Um dann zu einer authentischen Persönlichkeit zu werden, die begreift, dass man nur durch soziale Interaktion reifen kann, ist es dann wahrscheinlich leider zu spät. Aber dafür sind die Banken gerettet, die dann bestimmen, welche Musik gespielt wird. Ihr Roland May Generalintendant |
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Kolumne Extra
" Die Mörder sind unter uns" Erinnern Sie sich noch an diesen ersten Film der neu gegründeten DEFA im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1946? Sicherlich nur die älteren unter Ihnen. In einem quälenden Prozess nehmen die Protagonisten des Films Abschied vom Gedanken der Rache und überführen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher in die Hände der Justiz. An diesen Filmtitel musste ich die letzten Tage denken bei der Beschäftigung mit den immer unheimlicher werdenden Nachrichten über die Ausmaße des braunen Terrors in unserer Republik. Langsam verdichten sich die Meldungen, dass dem sogenannten Terror-Trio aus -Jena, Zwickau, Deutschland?- willige Helfer bei ihren unfassbaren Mordtaten aus unserer direkten Umgebung zur Seite standen. Die Mörder waren unter uns, und ihre Handlager sind es weiterhin. Auch vermutlich „Filmemacher“ unter ihnen, deren krude Phantasie nicht nur den Angehörigen der Opfer Brechreiz verursacht. Die mediale Reflektion und Anklage hat in den letzten Tagen an Fahrt aufgenommen. Der Verfassungsschutz und die Polizei stehen im Kreuzfeuer der Politik und ein NPD- Verbot wird wieder diskutiert. In der damaligen „Ostzone“ im Nachkriegsdeutschland wurden im beginnenden Kalten Krieg der Systeme klare Linien zwischen Gut und Böse gezogen. Hier der propagierte Antifaschismus und im Westen die ewig Gestrigen. Ich will an dieser Stelle nicht auf die vielen Indizien und Personalien eingehen, die die eine oder andere These stützten. Fakt ist, dass sich auch vor dem Ende der DDR eine Neonaziszene bei uns etablierte, die nach der Wende, besonders in Sachsen, stetig Zulauf bekam und bekommt. Kameradschaft, Zusammengehörigkeit und Bestätigung in der Gruppe sind die Eckpfeiler für viele junge Menschen, die sich in einem demokratischen Umfeld einlösen können oder eben in totalitären Strukturen. Ist der Mangel an Orientierung aus Nachwendezeiten überwunden, der auch viele Kinder und Jugendliche ratlos gemacht hat? Gestern noch Erich Honecker und am nächsten Tag eine neue Geschichtsschreibung? Gestern noch FDJ, dann die Straße mit Alkohol und Kleinkriminalität, von der man viele junge Leute nur abzuholen brauchte in die Strukturen von rechter Gesinnung und Kultur. Es sind unsere Kinder, Enkel, Brüder und Schwestern die bei 2% Ausländeranteil im Osten von Überfremdung reden und die seit der Wende in Ost und West 140 Mordopfer auf dem Gewissen haben. Dem stetig gleichen Reflex, auf die Politik und den Sicherheitsapparat zu verweisen, möchten wir als Theaterleute mit unseren eigenen Mitteln Fragen und Denkanstöße entgegensetzen. Neben unseren aktuellen Inszenierungen Heute Abend: Lola Blau undDas ist Esther, die sich mit Ausgrenzung und Verfolgung beschäftigen planen wir weitere Veranstaltungen und Aktionen, die sich mit dem Thema Rechtsradikalismus beschäftigen werden. Roland May Generalintendant |